Verzugszinsen – wie hoch dürfen sie sein?
Kurzantwort
Verzugszinsen dürfen bei Verbrauchern höchstens 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz liegen, bei Geschäften zwischen Unternehmen 9 Prozentpunkte. Die Rechtsgrundlage ist § 288 BGB. Voraussetzung ist, dass sich der Schuldner tatsächlich im Verzug befindet, also nach § 286 BGB gemahnt wurde oder ein Zahlungstermin kalendermäßig bestimmt war.
Wie sich Verzugszinsen zusammensetzen
Verzugszinsen sind der gesetzliche Ausgleich für verspätete Zahlungen. Der Basiszinssatz wird halbjährlich von der Deutschen Bundesbank festgelegt und kann positiv oder negativ sein. Für Verbrauchergeschäfte gilt ein Zinssatz von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz, für Handelsgeschäfte 9 Prozentpunkte. Der Verzug beginnt in der Regel mit Zugang einer Mahnung oder spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung.
Inkassoschreiben enthalten häufig Verzugszinsen als eigenen Posten. Ob diese korrekt berechnet sind, lässt sich anhand des Basiszinssatzes und der Verzugsdauer nachrechnen. Die genauen Regeln beschreibt Inkassokosten nach RVG – was ist erlaubt?. Worauf es ankommt, behandelt Verjährung bei Inkasso – wann verfällt die Forderung?.
Rechtsgrundlage
§ 288 BGB; § 286 BGB; § 247 BGB
Beispielrechnung
Ein Verbraucher schuldet seit 6 Monaten eine Rechnung über 500 Euro. Der Verzugszinssatz beträgt 5 Prozentpunkte über dem aktuellen Basiszinssatz der Deutschen Bundesbank (veröffentlicht unter bundesbank.de). Bei einem angenommenen Basiszinssatz von 3,37 Prozent ergäbe sich ein Verzugszinssatz von 8,37 Prozent – die Verzugszinsen für 6 Monate lägen bei rund 20,93 Euro.
Diese Fehler passieren häufig
- Es werden Zinssätze über den gesetzlichen Höchstgrenzen berechnet, etwa 10 oder 15 Prozent pauschal.
- Verzugszinsen werden ab dem Rechnungsdatum berechnet statt ab dem tatsächlichen Verzugsbeginn.
- Der Basiszinssatz wird nicht aktuell berücksichtigt, sodass ein veralteter Wert zugrunde liegt.
Handlungsempfehlungen
Prüfen Sie den aktuellen Basiszinssatz auf der Website der Deutschen Bundesbank. Berechnen Sie die zulässigen Verzugszinsen selbst: Hauptforderung mal Zinssatz mal Verzugstage geteilt durch 365. Widersprechen Sie schriftlich, wenn der berechnete Betrag über dem gesetzlichen Maximum liegt. Fordern Sie eine nachvollziehbare Zinsberechnung vom Inkassounternehmen an.
Häufig gestellte Frage
Ab wann muss ich Verzugszinsen zahlen?
Verzugszinsen fallen erst ab dem Zeitpunkt des Verzugs an – in der Regel nach Zugang einer Mahnung oder 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung. Ohne wirksame Mahnung oder kalendermäßig bestimmten Termin besteht kein Verzug. Der Zinsanspruch setzt zudem eine fällige und berechtigte Forderung voraus.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine rechtliche Beratung. Bei konkreten Streitfällen wenden Sie sich bitte an eine Verbraucherzentrale oder einen Rechtsanwalt.
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InkassoKlar vergleicht die geforderten Gebühren mit den zulässigen RVG-Sätzen und zeigt, ob Mahnpauschale, Geschäftsgebühr und Verzugszinsen im Rahmen liegen.
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